Im Dialog
Nachhaltigkeit als Werttreiber
Wer in ein Unternehmen investiert, will wissen, wie zukunftsfähig es ist. Initiativen wie das Carbon Disclosure Project (CDP) stehen für die steigende Bedeutung von Nachhaltigkeitsthemen am Kapitalmarkt. Worauf kommt es an? Was interessiert die Investoren besonders? Diese Fragen erörterten Frank H. Lutz, Finanzvorstand der MAN SE und Caspar von Blomberg, Geschäftsführer des CDP Europe.
C. von Blomberg:
Mehr darüber zu erfahren,
wie Unternehmen mit der Herausforderung
Klimawandel beziehungsweise Low Carbon
Economy umgehen, war unser Ausgangspunkt.
Dafür wurde das CDP im
Jahr 2000 von Investoren gegründet.
Seither bewertet es jährlich, wie transparent
Unternehmen zu ihrer Klimastrategie
Auskunft geben. Dazu bewerten wir auch
ihre Klimaperformance.
F. H. Lutz:
Zumindest was die Transparenz
angeht, haben Sie uns ja ganz gut bewertet.
Und bis heute ist der bei MAN erfundene
Dieselmotor die effizienteste Verbrennungsmaschine.
Aber natürlich erzeugen
wir in unseren Kerngeschäftsfeldern Transport
und Energie weiterhin CO2. Mit unserer
CR-Strategie wollen wir das Thema
Klimaschutz klar adressieren, aber auch
andere Aspekte wie Mitarbeiterbindung
und gesellschaftliches Engagement. Denn
Investoren fragen immer öfter nach, was
wir tun, um unserer Verantwortung
gerecht zu werden.
C. von Blomberg: Sie sind technologisch in der Tat gut positioniert, auch weil Sie Ihre Produkte konsequent gemäß den immer strengeren Rahmenbedingungen wie beispielsweise Schadstoffnormen weiterentwickelt haben. MAN hätte aber die Chance, sich noch stärker als Lösungsanbieter im Bereich Klimaeffizienztechnologien zu positionieren. Dann kämen Sie aus der defensiven Position heraus und müssten sich nicht als Vertreter einer »Problembranche« begreifen.
F. H. Lutz: Das tun wir bereits. Auf der letzten IAA haben wir die Studie einer neuen Lkw-Zugmaschine vorgestellt, die 25 Prozent Kraftstoff sparen könnte. Unsere Hybridbusse sind inzwischen in mehreren europäischen Städten im Einsatz. Auch im Bereich Schiffsmotoren und in der Energieerzeugung haben wir gute Effizienzlösungen. Zwar fordern immer mehr Kunden solche Produkte, aber sie müssen diese auch bezahlen wollen.
C. von Blomberg: Es ist wichtig zu sagen, was man langfristig erreichen will: wo, wie und in welchem Umfang man selbst noch Emissionen reduzieren kann; wie man in Verbindung mit Zulieferern und Kunden übergreifende Reduktionskonzepte realisieren wird – Rohstoffzugang, Produktion, Logistik und Produktnutzung. Meines Erachtens geht es in der Transportbranche noch um notwendige Technologieschübe insgesamt. Denn der Verkehr wird weiter wachsen und immer engeren regulatorischen Rahmenbedingungen unterliegen.
F. H. Lutz: Natürlich müssen wir unsere Innovationen und unsere Anstrengungen unter einer ganzheitlichen Klimastrategie bündeln, woran wir gerade arbeiten. Und die gilt es dann gegenüber den Investoren darzustellen. Trotz oder gerade wegen der Krise war deren häufigste Frage im letzten Jahr, ob wir genügend in zukünftige Technologien investieren würden. Und hier haben wir nie nachgelassen.
C. von Blomberg: Investoren wollen Investitionen in F&E und Innovation sehen. Dass dies bei MAN auch mit einem klaren Fokus auf klimaschonende Antriebstechnologien zu tun hat, macht das Unternehmen für zwei Gruppen von Investoren besonders interessant: Anleger, die nach nachhaltigkeitsorientierten Aspekten auswählen, sowie Pensionsfonds, die langfristig und sehr risikobewusst investieren. Für große Unternehmen ist es deshalb wichtig, in den zentralen Nachhaltigkeitsindizes notiert zu sein.
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F. H. Lutz: Unser erklärtes Ziel ist deshalb auch die Wiederaufnahme in die Dow Jones Sustainability Indizes und die nachhaltigkeitsbezogene Positionierung im Bereich Investor Relations. In Brasilien – unserem wichtigsten Wachstumsmarkt – haben wir gespürt, dass Investoren das Thema wichtig finden, weil wir erprobte Lösungen bieten. Denn ab 1. Januar 2012 wird dort der aktuell in Europa geltende Emissionsstandard Euro V eingeführt.
C. von Blomberg: Dies beweist, dass wir schon vielfach – auch ohne internationale Klimavereinbarungen – auf dem Weg zu einem einheitlichen Regulierungsschema sind. Ich bin daher zuversichtlich, dass der Klimaschutz auf einem guten Weg ist. Staatliche Regulierung wird zwar wichtig bleiben, weil Unternehmen für ihre sehr großen Investitionen im Energie- und im Transportsektor langfristige Sicherheit brauchen. Viele Anforderungen werden künftig aber auch über den Markt bestimmt.
F. H. Lutz: Nicht nur der Gesetzgeber, sondern auch internationale Vereinbarungen schaffen in diesem Bereich ganz eindeutig Märkte. Und so wie wir unsere Zulieferer überprüfen, geht es uns. Auch bei uns schauen Kunden darauf, wie weit wir den CR-Vorgaben gerecht werden. Aber sie achten ebenso auf den Preis. Dabei ist der Aspekt Total Cost of Ownership besonders wichtig. Das heißt, beim Kauf auf die Gesamtkosten über den Produktlebensweg hinweg zu achten.
C. von Blomberg: Damit nehmen auch Kunden künftig die Rolle eines Regulators ein, ähnlich wie Investoren, Medien und Nichtregierungsorganisationen. Das CDP als Investoreninitiative ist ein gutes Beispiel dafür, wie man aus der Not einen Standard kreieren kann, den inzwischen 3 500 Unternehmen weltweit akzeptieren. Meines Erachtens ist es immer besser, wenn die Regeln vom Markt gesetzt werden – weil es rascher geht und international wirksam ist.
F. H. Lutz: Wenn wir hier von den Treibern reden, dürfen wir den Nachwuchs nicht vergessen. Ein verantwortlicher Arbeitgeber zu sein, ist immer wichtiger geworden, um attraktiv für gute Kräfte zu bleiben.
